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Montag, 28. September 2009

Kapitel 8 _ Glatzkopf P. geht zum Markt (Buch)

Peterchen blieb da immer noch wie angewurzelt stehen und hörte die Frau im liebevollen Ton sagen: "Ah benim ahmak, keltoş oğlum. Gel bi ananın yanına."
Peterchen verstand immer noch nicht was die Frau von ihm wollte. Gerade eben hatte er auch wie sie gesprochen, aber da er nicht verstand, was er selber redete, schwieg er. Peterchen wollte nichts Falsches sagen. Schliesslich kam die Frau zu ihm und überreichte ihm einen Honigtopf mit den Worten:
"Oğlum, evde tuzumuz kalmadı. Paramız da yok. Al bunu, git çarsıda sat, ve tuz al. Emi, biliyorsun: hiç. Hiç!"
Peterchen verstand nicht, dass er den Honig auf dem Markt verkaufen, und dafür Salz kaufen solle.
Die Frau schaute in sein Gesicht und wiederholte:
"Hiç al, emi oğlum. Hiç, hiç... hiç al, hiç! hiç!..."
Peterchen betrachtete sie mit grossen Augen und hörte sie immer zu das Wort "hiç" sagen.
"Wieso sagt sie andauernd 'Hitsch'?" fragte sich Peterchen. "Entweder ist es etwas ganz Wichtiges, das sie sich merken will, oder sie möchte, dass ich es sage.. -- Wie die mich anguckt. --- Alte Oma was willst du von mir? Soll ich es wiederholen?" So rief Peterchen laut: "Hitsch, hitsch, hitsch!" und sah, wie sich das Gesicht der alten Frau erhellte. Sie sagte:
"Evet benim keleş oğlum, hiç, unutma hiç, emi?" und sie packte ihn am Arm und brachte ihn vor die Tür. Peterchen wiederholte das Wort unaufhörlich und ging auf dem Trampelpfad.

>Irgendwohin wird er mich ja führen< dachte er, während er laut vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch" sagte und weiter grübelte:
>Was das Wort wohl bedeuten mag? Wenn hier nur jemand wäre, der es mir sagen könnte. Ach, wenn Ali nur hier wäre. Tja, er könnte mir auch nicht sagen, was es heisst. Aber, dann wäre es mir nicht so allein.<
"Hitsch, hitsch, hitsch-- " rief er vor sich hin.
>Ich sage es jetzt so lange, bis ich jemanden treffe. Der wird mir dann sagen, was es bedeutet. Hoffentlich verstehe ich ihn dann auch...<

So ging Peterchen auf dem sandigen Weg und murmelte das Wort nichts, das Salz bedeutete, die ganze Strecke, bis in die Stadt hinein, unentwegt vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch...."
Wie der Zufall es so will. Niemand kam ihm des Weges entlang.

Schliesslich erreichte Peterchen ein Fluss.
>Ich gehe mal am Wasser entlang<, dachte er. >Vielleicht treff ich ja da auf jemand< und stolperte den Hang, zum Flussbett runter. Seine Arme wild schwingend, ging Peterchen am Ufer entlang, und rief dabei "Hitsch, hitsch, hitsch..." bis plötzlich ein grosses Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, auf dem Fischer gerade dabei waren, die Netze einzuholen. So lief Peterchen ihnen zu und sagte währenddessen: "Nichts, nichts, nichts...", auch als er stehen blieb und neugierig rüberschaute, wiederholte er dabei unablässig "Nichts, nichts, nichts...".

Als die Fischer das Netz aus dem Wasser zogen, und es leer war, wandten sie sich wütend zu Peterchen und riefen:
"Wegen dir haben wir nichts gefangen. Dein Schandmaul hat uns leere Netze beschert."
Merkwürdigerweise verstand sie Peterchen und antwortete in ihrer Sprache:
"Aber meine Herren, was kann ich denn dafür".
"Natürlich kannst du was dafür", riefen sie erbost zurück.
"Ja und was?"
"Du hättest nicht die ganze Zeit nichts, nichts rufen sollen. Du hast es heraufbeschworen, du mit deinem Schandmaul."
"Ja und was hätte ich sagen sollen..." fragte Peterchen verwundert und hörte die Fischer ihm zurückrufen:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. So wünscht man uns eine guten Fang. Merk dir das!"

Kaum rief Peterchen ihnen zu: "--- Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste!" so zog er wieder weiter; dabei stellte er eine komische Betrachtung bei den anderen an, was für merkwürdige Sitten die hatten und fremde Floskeln die benutzten.
Als er gerade eben dachte >Wenn das hier so Sitte ist, dann benutze ich es eben<, kam er um die Ecke und erblickte einen Leichenzug. Ganz vorne trugen vier Männer, den Sarg auf den Schultern; >wohl Verwandte und Freunde des Verstorbenen<, dachte Peterchen.

Er machte den Weg frei und stellte sich an den Strassenrand. Ein langer Zug von Menschen zog an ihm vorbei. Vorne die Gruppe der Männer, mit weissgehäckelten Kopfbedeckungen und hinter ihnen die Gruppe der Frauen, in Kopftüchern und Schleiern. Aus der Ferne erklang die Stimme des betenden Hodschas. Immer noch zogen sie an ihm vorbei, verhüllt in Schwarz und stumm.
Peterchen wiederholte fleissig den Satz, den er gerade eben gelernt hatte:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste."
Ein Verwandter des Verstorbenen hörte ihn und blieb stehen.
"Was??!!" wutschnaubte er. "Du wünscht uns noch mehr Sterbefälle?" Er nahm sich zusammen, um dem Jungen nicht eine Backpfeife zu verpassen.
Treuherzig fragte Peterchen: "Was sollte ich denn sagen?"
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben!", erwiderte der Empörte.

>Was stimmt denn, mit dem vorigen Satz nicht?<>Aber, wenn er meint, dann sag ich eben diesen Spruch auf.<
Nun prägte sich Peterchen das ein, und setzte seinen Weg fort.
An der nächsten Ecke begegnete er einer toten Katze. Er blieb davor stehen und wiederholte immerzu:
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. "
Ein Junge trat an ihn heran. Peterchen hörte mit dem rezitieren auf und schaute diesen an.
"Was sagst du denn zu der Katze?" fragte der Naseweiss.
"Niiieehiiichts!" antwortete Peterchen und der Bub erwiderte: "Du musst sagen: Pfui, wie das stinkt!"
Peterchen fragte: "Wieso denn?" - "Na, weil man das eben so sagt", erwiderte der Bub knapp und schnauzig.
So merkte Peterchen den Spruch, und fing an, diesen immer zu, vor sich hinzusagen.

Aber auch mit diesem Spruch kam er nicht weit. Gerade war er dabei, an einem Hamam, vorbeizugehen, da traten in diesem Augenblick drei Damen heraus. Sie rochen nach duftenden Ölen, waren in wallende Seidentücher gehüllt, und lachten, während sie miteinander sprachen. Als sie Peterchen bemerkten, verfinsterte sich ihre Mine und sie stürzten sich auf ihn los. Sonnenschirme, Fäuste und Füsse prasselten auf Peterchen nieder mit den Rufen: "Wie kannst du es wagen uns: 'Pfui! wie das stinkt!' zu zurufen. Wir haben gerade gebadet und duften lieblich!"
"Aua, aua, bitte zwickt mich nicht!" rief Peterchen.
Doch sie kniffen ihn, wedelten mit den Regenschirmen und schrieen weiter:
"Du ungehobelter Klotz. Du Sohn eines Esels. Was sind das für Manieren. Sagt man so was zu einer Dame..."
"Erbarmen, gnädige Damen!" rief das Peterchen.
"Was hätte ich denn sagen sollen? Bitte sagt ihr es mir."
Als die Damen sahen, dass Peterchen, doch ganz höflich bat, und doch nicht so ein Lausbub war, wie es den Anschein hatte, belehrten sie ihn wohlwollend:
"Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut! So ziemt es sich. Das ist fein. Das kannst du uns zurufen." sagten sie, und waren höchst zufrieden, als Peterchen es ihnen mit einer Verbeugung sagte. Wohlgestimmt zogen sie weiter.

Mit dem neuen Spruch auf den Lippen ging auch Peterchen seinen Weg, und kam diesmal an zwei Männern vorbei, die sich lauthals stritten. Als sie den Glatzkopf rufen hörten: "Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut!" stritten sie nicht mehr, sondern gingen gemeinsam auf den Jungen los.
"Was soll ich denn sagen?" fragte Peterchen, der nicht mehr weiter wusste. Was er auch sagte. Alles war falsch. Niemanden hatte er recht machen können. Immer zu sagte er das Falsche.
"Du sollst versuchen, uns mit den Worten: Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! zur Ruhe zu bringen", antworteten die beiden Streithähne.

So fing Peterchen an: "Hört auf damit, Brüder, vertragt euch!" zu rufen. Unbeirrt, sagte er den Spruch auf, immer zu, als sei nichts geschehen.
Plötzlich fingen vor Peterchens Füssen, zwei Strassenköter zu balgen an. Peterchen versuchte an ihnen vorbei zu laufen; doch die Hunde kämpften, bellten, liefen hierhin und dorthin, so dass Peterchen an ihnen nicht vorbei konnte.
Dann griff er sich einen knorrigen Astzweig, den er vom Wegrand aufhob und stiebte ihn zwischen die Hunde. "Ich muss sie trennen, sonst komme ich hier gar nicht vorbei", ging es Peterchen durch den Kopf. Er war so bei der Sache, die Hunde zu trennen, dass er gar nicht merkte, wie er dabei die Tölen anschrie:
"Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! Kommt zur Ruhe! Hört auf damit, Brüder...!"
Plötzlich fiel sein Blick auf eine Menschenmenge, die sich am Wegrand angesammelt hatte. Ihr Lachen und Tuscheln, verhiess Peterchen nichts Gutes. Kleine Kinder zeigten mit dem Finger nach ihm. Peterchen sah, wie ein Mann von der Menge nach einem Stein griff und mit einem Geschrei auf die Hunde losging: "Hischt! Hübe, it oglu it! Verzieh dich du Hundesohn! Hiiiischt! Hiiischt! Hübe!". Dann näherte sich der Mann an Peterchen und sagte:
"Siehst du!? So geht das. So vertreibt man Strassenköter! Ruf einfach: Hischt, hischt. Dann hauen sie ab. Nimm, sicherheitshalber noch einen Stein." grinste er und warf den Stein in die Luft und fing es auf.
"Hischt, hischt!" kam es aus der Menge, jemand winkte, und der Mannr rannte zu ihm.

>Wie praktisch!<>Mit hischt, hisch, vertreibst du Hunde und rufst die Menschen zu dir.< Peterchen verliess die Menschenmenge und ging entlang der Hauptstrasse.
>Wohin, der mich heute hinführt?< dachte er.

Und siehe da, der Weg endete beim Markt. Ein Getümmel und Gedränge war das. Da stand nun Ladentisch an Ladentisch und Stand an Stand, die Verkäufer schrieen ihre Waren aus und die Käufer feilschten um jeden Taler. Peterchen wusste anfänglich nicht, wo er zuerst hinsehen solle, alle diese Merkwürdigkeiten berauschten seine Sinne, bis endlich ein stiller Stand seine Aufmerksamkeit auf sich zog, bei dem ein Mann friedlich an seinem Ladentisch sass und ruhig vor sich hin werkelte.
Er nähte behende an einem Stück Leder, der allmählich die Form eines Pantoffels annahm. Peterchen betrachtete ihn eine geraume Zeit, und näherte sich bedächtig dem Mann. Als er vor ihm stand zischte er: "Hischt! hischt!" und winkte mit der Hand.
Der Mann blickte etwas verdutzt auf. Er sah Peterchen fragend in die Augen. Nach einem kurzen Schweigen sagte er: "Hast du noch nie einen Schuster bei der Arbeit gesehen, Bub? Bei euch im Dorf gibt es wohl keine Schuster."
Peterchen schüttelte seinen Glatzkopf .
"Ja, man merkt's. Sonst wüsstest du, was man sagt."
"Und, was sagt man denn?" fragte Peterchen, der ein gelehriger Junge war. Doch er hatte das Gefühl, dass ihn hier alle für dumm hielten. Und das nur weil er nicht wusste, was er hier zu einem Fremden sagen musste, und er hörte den Schuster sagen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden! So feuert man uns bei der Arbeit an."

Peterchen nickte und ging weiter. >Was für ein witziger Spruch< fand er.
"Vielleicht bringst du mir ja mehr Glück", sagte er zu sich und fing an, ihn laut vor sich herzurufen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!" rief er, als er sich durch das Gedränge schob.
Vor ihm tauchte in Mann, der einen Jungen, an den Ohren gepackt hielt und hinter sich herzog. Anscheinend wollte der Junge nicht auf ihn hören. Vielleicht wollte der Bub auch nicht dahin mitlaufen, wo der Mann ihn gerade an den Ohren hinzog.
Da sie ein Weg durch das Getümmel bahnten, ging Peterchen hinter ihnen her, und murmelte vor sich hin immerzu:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
und plötzlich schrie er aus heiterem Himmel ganz laut:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
dann brüllte er:
"Aaauuaaah! Heeey! aaaah..."

"Was sagst du da für dumme Sachen", sagte ein Mann und zog ihm an den Ohren. Vor Peterchen stand ein Junge und rieb grinsend sein rotglühendes Ohr.
"Sooo, dann zieh ich mal kräftig daran, dass sie schön geschmeidig weich werden."
"Aaghrrh! IIIIIhnnnnnnngggghhh!" konnte Peterchen nur sagen. Es tat so weh und er war so überrumpelt, dass er gar nicht wusste, was mit ihm geschah.
"Gefällt dir das, du glatzköpfiger Bursche!"
"Neein!", erwiderte Peterchen und versuchte sich von dessen Griff, loszureissen, doch je mehr er zappelte, desto mehr tat er sich selber Weh. Dessen Hand, klebte an seinem Ohr und riss daran.
"Aaauhaaah!" schrie Peterchen und hörte den Mann noch lauter:

"Was mischt du dich in Angelegenheiten anderer Leute an, he? Was geht dich das an, hä?", griff der Mann Peterchen an und dieser erwiderte kleinlaut.
"Nichts, nichts..."
"Und? was soll der blöde Spruch!?", rief der Mann und schubste Peterchen an seinem Kopf weg, und liess dabei sein Ohr los. Peterchen torkelte nach hinten und sagte sein Ohr reibend:
"Aber ich,...-- was hätte ich denn sagen sollen?..."
"Nichts mein Junge, nichts!", schnauzte ihn der Mann an.
"Genauso viel, wie es dich angeht: Nichts. Einfach nichts! Du weisst doch. Reden ist Silber. Schweigen ist Gold. Auch wenn man dir ein stiefelvoll Golddukaten anbietet. Misch dich nicht in Angelegenheiten, in der du dich nicht auskennst."
"Aber, ich hab mich doch nicht eingemischt", wollte Peterchen sagen und öffnete seinen Mund, doch der Mann schrie ihn an:
"SAG NICHTS! ---Sag nichts, einfach nichts. Nichts! HIC! Hic! hic!..."

Kaum hatte er "hiç" gehört, verstand Peterchen den Mann nicht mehr. Er verstand, kein einziges Wort. Nur das Wort "hiç" dröhnte in seinen Ohren. Er rieb daran und fragte sich: >Wieso ist der Mann so böse! Und wieso ruft er die ganze Zeit: Hitsch. Woher kenn ich das Wort. ---hitsch? hitsch? hitsch? Kommt mir irgendwie bekannt vor.<
„---Mann, ist schon gut, brüll doch nicht so", rief Peterchen und entfernte sich von dem Mann, der andauernd: "Hiç, hiç" rief.
"Hitsch, hitsch, hitsch...", fing auch Peterchen an, das Wort zu wiederholen.
"Das kommt mir bekannt vor. Woher kenn ich es denn? Ich frag mal den Mann da, vielleicht kann er mir ja helfen."

Doch als Peterchen den Vorbeigehenden ansprach und fragte: "Kannst du mir sagen, woher ich 'hic' kenne?" blickte er nur in zwei verwunderte Augen. Peterchen hörte ihn sagen:
"Hiç birsey anlamadim!" Er zuckte dabei die Achseln.
"Ich versteh dich nicht", erwiderte Peterchen und jener antwortete:
"Hiç birsey anlamadim." Dann blickten sie sich eine Weile stumm an und Peterchen sagte:
"Hitsch biaschei aanaamadiim!"
"He, ne anlamadin?" fragte der Mann.
"Hitsch biaschei aanaaamadiim!" sagte Peterchen wieder.
"Allah Allah, dünyada ne acaip insanlar var", sagte der Mann und ging kopfschüttelnd weiter.
Doch Peterchen wiederholte das, was er gerade gehört hatte. "Hitsch biaschei aanaamadiim! Hitsch biaschei aanaamadiim!" Das klang so witzig. Peterchen wunderte sich nur, wieso er plötzlich nichts mehr verstand: "Grad eben hatte ich sie verstanden, und jetzt versteh ich kein einziges Wort mehr", knurrte er, dann fiel ihm Ali ein:
"Hitsch biaschei aanaamadiim! Das sage ich Ali. Da bin ich ja mal gespannt, was er darauf antwortet. Jetzt hab ich einen Satz, den ich ihm sagen kann. Da wird er aber doof gucken und sagen: 'Habe nichts verstanden.' und dann werde ich sagen: 'Siehst du, du weisst auch nicht alles. Schau, ich weiss was, das du nicht verstehst.
Jaaah! >Hitsch biaschei aanaamadiim!<"

Er war sich sicher: "Diesen Satz merk ich mir. Das steht fest."
Plötzlich bemerkte Peterchen den Honigtopf unter seinem Arm.
"Nanu, was mach ich denn damit?" Er hatte ihn völlig vergessen. Dass er deshalb hierher gekommen war, um ihn zu verkaufen, und dafür das "Hiç", also den Salz zu holen, wusste er ja nicht. Und Hunger hatte er ja auch bekommen. Also steckte er den Finger rein.
"Hmm! das schmeckt aber lecker. ---Komisch", sagte Peterchen "ich glaube ich wachse. Das geht aber schnell. Huuuuh! ---Jetzt bin ich grösser als der Riese." Er torkelte, weil es so ungewohnt war. Dann fasste er sich und überlegte. "Wenn ich grösser als ein Riese bin, was bin ich dann?"
Er grübelte eine Weile und fand ein Wort, das er passend fand. "Ein Koloss! Ja, der Koloss von Rhodos war ja riesig. -- Mann, wenn ich weiterwachse, dann bin ich ja grösser als der Berg da hinten." Kaum hatte er das gesagt, schon blieb er mit einem Ruck stehen. Er schoss nicht mehr in die Höhe. Er war nicht in die Länge geschossen, dass er wie ein langer Lulatsch aussah, nein er war gewachsen. Er wuchs in die Höhe und in die Breite. "Ob ich mich in der Pupertät genauso verändere?" überlegte Peterchen, "Vielleicht nicht so schnell, aber bestimmt werde ich grösser als Papa, und der ist ja auch nicht der Kleinste --" Er unterbrach sich.
Dein Magen fing plötzlich an zu knurren.
"Ich habe wohl hunger", stellte er fest.
"Mann, das knurrt aber laut. Sollte ich noch einen Schleck Honig nehmen? Oh, ich wag's lieber nicht. Sonst wachse ich noch mehr, und werde grösser als die Erde. Gott, wie das Knurrt!" Peterchen hielt sein Bauch. "Oh, wie mein Magen knurrt!" sagte er zu sich selber. "Und jetzt heult er auch! Seit wann heult einem der Magen, wenn man Hunger hat?"
Plötzlich musste er gähnen. "Oh, Mann!" sagte Peterchen "Das fehlte gerade noch!", und gähnte.
>Uuuuuooooooaaaaaaaaeeeeehhh!<
Er sperrte seinen Mund auf, wie ein Scheunentor. Grossgenug war er ja, dass da ein Ochsenkarren hätte durchpassen können. Was einer? Zehn hätten da durchgepasst.
Er gähnte und gähnte.
>UUUUUOOOOOOOAAAAAAEEEEEEEEIIIIIIIIIII!!!<, und konnte seinen Mund nicht mehr zuschliessen. Und das Knurren wurde lauter und lauter.
>Grrrr, grrrrr<, >GRRRRRR!<
>Oooooouuuuuuuuuhhh!!< heulte es noch dazu. Doch das Knurren und das Heulen kamen nicht mehr aus seinem Bauch, sondern aus seinem Mund.
Und plötzlich kamen aus Peterchens sperrangelweit aufgerissenem Maul ein Rudel Wölfe rausgerannt.

Mittwoch, 9. September 2009

Kapitel 4 : Der gestiefelte Kater

Nachdem Abendessen zog sich Peterchen gleich in sein Zimmer zurück. Auf den Ruf der Mutter, ob er seine Zähne auch geputzt hat rief er ganz laut "JA, HAB ICH!". Dann zog er seine Pyjama an und verkroch sich unter die Decke. Die Mutter rief: "Ich komm gleich!" und Peterchen wartete ganz gespannt.
Sie kam, machte das Licht aus, setzt sich auf einen Stuhl, nah an Peterchens Bett, knipste die Nachtlampe an, und sagte. "Also..." faltete die Hände ums Knie, verdrehte die Augen gegen die Decke und sagte: "Es waaar ein-maal... --- eingestiefelterKater!"
"Nein, das stimmt gar nicht!" rief Peterchen.
"Wieso denn nicht?" fragte die Mutter.
"Es war einmal ein Müller und der hatte drei Söhne." klärte Peterchen die Mutter auf.
"Und wo ist der Kater?" fragte die Mutter.
"Ach, Mami" maulte Peterchen. "Du kannst das nicht so gut wie Papi."
"Ja, ich weiss mein Liebes, Papi konnte wunderbar Märchen erzählen."
"Ja, und ich habe alles gesehen, was er erzählt hat."
"Ja, ich auch." sagte die Mutter. "Er konnte wirklich wunderbar erzählen. So gut, dass ich vergass, dass ich ihm zuhöre."
"Ja, du auch? Hattest du auch das Gefühl, dass du mit dabei warst."
"Mm-mh! Als wäre ich unsichtbar und laufe mit in der Geschichte rum!" lachte die Mutter.
"Ja, genau!" schrie Peterchen aufgeregt, der sich freute, dass es nicht nur ihm so erging, wenn er den Märchen des Vaters lauschte.
"Aber jetzt musst du schlafen", sagte die Mutter und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
"Und träum süss." Beim Rausgehen liess sie die Tür einen Spalt offen.
"Ja, du auch!" schrie Peterchen ihr hinterher. Als sie weg war, wartete er kurz, stand auf und machte die Tür zu. Dann machte er das Licht an und holte aus der Tasche ein grosses dickes Buch, mit einem glänzenden Umschlag. Er las halblaut den Titel: "Die schönsten Märchen der Gebrüder Grimm."
Dann durchblätterte er das Buch und schaute sich die aquarellierten Bilder an. Es waren mehr Bilder als Text drin. "Das sind aber mal schöne Bilder", sagte er zu sich. "Und so viele..."
Er schaute sich die Illustrationen genau an, und ohne ein Wort gelesen zu haben, wusste er, was in dem Märchen so alles geschah. Als er beim Blättern einen Kater in Stiefeln sah, mit einem grossen Hut auf dem Kopf, blieb er stehen. Auch hier schaute er sich die Bilder an.
Er ging mit dem Finger über das Bild, das über die beiden Seiten des aufgeschlagenen Buches ging und sagte leise zu sich:
"Das ist die Mühle. Hier aus dem Fenster guckt ein blonder Junge, das ist sicher Hans, denn über ihm ist eine Katze. Oh, tschuldige! Ein Kater, das ist doch der Kater. >Verleggrins<. In einem anderen Fenster ist einer mit einem Mehlsack, das muss der Älteste sein, und ein Dritter geht mit einem Esel davon. Das ist wohl der Zweitälteste." Er blättert um.
"Wow! ein Schloss. Zwei Leibwächter. Und da ist schon der gestiefelte Kater. Da hat er die Stiefeln an und eine rote Mütze hat er auf. Was wohl in dem Sack ist? Der ist ja so gross wie er." Neugierig blättert er um.
"Der König! und der Kater nimmt seine Mütze ab. Was wohl im Sack drin ist? Ich hab’s glatt vergessen. Wie lang ist das schon her, und auf dem Bild sieht man es nicht. Steht sicher unten im Text."
Er liest. "Der König staunte über die schönen, fetten Rebhühner. ---Ach ja, Rebhühner waren es; und dafür bekam der Kater ein sackvoll Golddukaten. Hier auf dem Bild, schüttet er sie schon aus. Sicher vor den Füssen von Hans, der wird Augen machen. Soo >blätterblätter<"
Er übersprang einige Seiten. Jetzt stand der Kater vor einem grossen Mann mit bösen, gelben Augen. Dann vor einem Elefanten und vor einem Löwen. Beide hatten die selben bösen, gelben Augen. "Ah, das ist sicher der Zauberer!" rief Peterchen. "Und hier ist er 'ne Maus, den frisst der Kater jetzt."
Er blätterte zurück zu dem Anfang der Geschichte.
"So jetzt will ich aber mal lesen, was da drin geschrieben steht. Ich kann’s kaum abwarten", sagte Peterchen und las laut vor:

"Ein Müller hatte drei Söhne, seine Mühle, einen Esel und einen Kater. Die Söhne mussten mahlen, der Esel die schweren Getreide- und Mehlsäcke tragen und der Kater Mäuse fangen. Als der Müller starb teilten sich die Söhne die Erbschaft. Der älteste bekam die Mühle und der zweite den Esel. Für den jüngsten Sohn Hans blieb nur der Kater übrig. Da war Hans traurig und sagte zu sich selber: "Ich bin am schlechtesten dran. Mein ältester Bruder kann mahlen, mein zweiter auf seinen Esel reiten. Aber was soll ich nur mit einem Kater anfangen? Ich kann mir höchstens ein Paar Pelzhandschuhe aus seinem Fell machen lassen."


Peterchen hielt inne. Irgendwie gefiel ihm das Märchen nicht so besonders. Es war so..., so blöd erzählt. Wären da die vielen Bilder nicht, hätte er von allein nichts gesehen, so wie beim Vater. Da fehlte auch was. Irgendwas fehlte, aber was?
"Bei Papa, klang das Märchen anders", meinte Peterchen. Er überlegte, was da anders war und dann fiel es ihm ein. Der Anfang fehlte. "Papa hat das Märchen ganz anders begonnen. So wie Märchen eben immer beginnen", sagte Peterchen und schloss die Augen. Er versuchte sich zu erinnern, wie der Vater das Märchen erzählte. Er stellte sich vor, wie das war, als er noch fünf war: Er liegt so im Bett, der Papa kommt. Streichelt seinen Kopf. Fragt ihn was er gerne hören will und er ruft: "Dä gestifelte Kataa!" und dann beginnt der Vater zu erzählen. Peterchen hört die Stimme des Vater deutlich sagen:

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, in einem Land das einmal war und jetzt nicht mehr ist, ein Land dessen Name im Fluss des Vergessens versunken ist, da lebte an diesem Fluss ein Müller mit seinen drei Söhnen.

"Ja, so ist es richtig", nuschelt Peterchen im Halbschlaf in sein Kissen, und träumt weiter, wie der Vater erzählt. Das Buch fällt ihm aus der Hand und knallt auf dem Boden: >rumps!<

>Rumps, rumps, klippertdieklapp<, machte die Mühle, >Plischt, platsch< das Bach, und der Müller mahlte Mehl in der Mühle...

...und Peterchen sieht den Müller vor sich wie er mahlt, hört das Plätschern des Flusses und das Klappern der Mühle.

"Es ist Gottes Wille", erzählt der Vater weiter, "und keiner kann diesem Schicksal entrinnen. Auch der alte Müller nicht. So geschah es, dass er den alten Müller zu sich nahm. Genauso wie er eines Tages auch mich zu sich nehmen wird. Die Söhne weinten um ihn. (Du weinst aber nicht, mein Peterle.) Der Älteste sagte dann: "Wir sind in Trauer. Doch bevor wir uns später streiten, lasst uns Vaters Erbe teilen. Ich bekomme die Mühle, weil ich der Älteste bin; du Olaf, hast als Zweitältester Recht auf den Esel; und du Hans, du als Jüngster bekommst den Kater."

Doch Hans, war darüber nicht sehr erfreut: "Ich bin am schlechtesten dran“, grollte er. „Meine Brüder können mit ihrem Besitz Geld machen. Aber was soll ich mit einem Kater anfangen? Ich kann mir höchstens ein Paar Pelzhandschuhe aus seinem Fell machen lassen."
"Hans!" hörte er den Kater sagen. Sein Kater hatte zu ihm geredet, und das hatte er bisher noch nie getan.
"Hans," wiederholte der Kater, "töte mich nicht, nur um ein Paar schlechte Handschuhe aus meinem Fell zu bekommen. Ich weiss eine viel bessere Möglichkeit, um dir zu helfen! Aber ich brauche ein Paar Stiefel, damit ich ausgehen und mich den Leuten zeigen kann."

So liess Hans einen Schuster kommen, und Peterchen sah ihm dabei zu, wie er die Stiefel schusterte. Dann zog der Kater die Stiefel an, warf sich einen Sack über die Schulter und ging wie ein Mensch auf zwei Beinen zur Tür hinaus. Peterchen heftete sich an seine Versen und ging mit ihm in den Wald. Der Kater machte seinen Sack auf und breitete das Korn darin auseinander. Dann versteckte er die Schnur im Gras und legte das Ende hinter eine Hecke. Er selbst versteckte sich und wartete. Auch Peterchen versteckte sich. Gespannt wartete er darauf, was jetzt passieren würde.
Lange brauchten sie nicht zu warten. Die Rebhühner kamen und fanden das Korn. Eins nach dem anderen hüpfte in den Sack.
Als genug Rebhühner drin waren, zog der Kater den Sack zu und drehte ihnen den Hals um. Da zuckte Peterchen zusammen. Er fand es etwas grausam, aber ja, er konnte ja nichts dagegen tun. Er war ja unsichtbar und konnte nur mit dem Kater mitlaufen. Dieser warf den Sack wieder über die Schulter und ging geradewegs zum Schloss des Königs.
Doch vor dem Schloss hielt sie die Wache auf:
"Halt! Wohin willst du?!" riefen sie dem Kater zu. Peterchen bemerkten sie nicht.
"Zum König", antwortete der Kater und Peterchen nickte stumm. Er wusste, dass sie ihn nicht sahen.
"Bist du verrückt, ein Kater zum König!"
"Ach, lass ihn nur", antwortete der andere. "Der König hat so oft Langeweile, vielleicht kann ihn der Kater ein bisschen aufheitern."
Und so kam Peterchen mit dem Kater vor den König und machte mit ihm eine tiefe Verbeugung. Auf seinem Rücken der prallgefüllte Sack mit Rebhühnern. Er kam gar nicht dazu, sich zu wundern, warum er nun den Sack auf dem Rücken hatte und nicht der Kater, da sprach eine tiefe Stimme zu ihm:
"Erheeebe dich!!"

Montag, 7. September 2009

Kapitel 1 : Peterchen und Ali

"Alle die ihr Schwimmzeug nicht da haben, setzten sich auf die Bank... Peter, das ist das dritte Mal. Du bekommst einen blauen Brief...", sagte der Lehrer, während er diejenigen notierte, die ihre Badesachen nicht mitgebracht hatten.
"Aber, ich dachte Schwimmen ist erst nächste Woche..." versuchte Peterchen, dem Lehrer den dritten Strich auszureden, doch dieser ging darauf nicht ein.
"Ich hab 'ne zweite Badehose mit, die kannste haben", flüsterte Ali Peterchen ins Ohr, doch dieser gab ihm einen Stups mit dem Ellenbogen in den Bauch, und zog ihm eine Grimasse. Ali versetzte Peterchen einen leichten Stoss in die Rippen und warf ihm einen finsteren Blick.
"Du willst doch gar nicht Schwimmen", zischte er ihn an.
"Denkst du ich steig in ein verpissten Becken rein?" grunzte Peterchen.
"Wer sagt denn, das die da reinpissen", fauchte Ali zurück.
"Ruhe ihr zwei!", unterbrach der Lehrer ihr lautes Tuscheln. "Was ist so wichtig, dass es nicht für später Zeit hat." Niemand antwortete. Peterchen und Ali duckten sich schuldbewusst.
"Peter, Ali? Könnte ihr das auch laut sagen, damit wir alle was davon haben", sprach Herr Sturm die Beiden an, dann wandte er sich Ali zu.
"Na, Ali? Was ist so wichtig? Sag es uns!"
"Ooch, nichts", druckste Ali und schielte rüber zu Peterchen.
"Dann seit auch still. Dir Peter schreib ich eine Verwarnung. Zuerst vergisst du deine Badesachen und dann störst du den Unterricht", und machte sich eine Notiz in sein Ordner. Niemand wusste auf diese Worte etwas Rechtes zu sagen, und es entstand eine Stille, die Herr Sturm jedoch kurz entschlossen unterbrach, indem er sich an die Klasse wandte:
"Jetzt marsch! Alle ins Wasser!"
Die Schüler drängten sich an den Beckenrand und sprangen rein. Einige hechteten, einige plumpsten und andere stiegen ängstlich durch die Treppe ins Wasser. Doch dann wurden die Kinderstimmen laut. Sie quietschten vor Freude und alberten herum. Bis der Lehrer sie aus dem Wasser rief, und die Pflichtstunde mit Bahnenschwimmen, Tauchen und Schmetterlingsübungen begann.

Peterchen sah sich den ganzen Tumult an, und war froh, sich nicht abmühen zu müssen. Dann pfiff der Lehrer zum Umziehen, und kreischend rannten die Kinder unter die Dusche.

Seine Hosen hochziehend tapste Peterchen in die Umkleidekabine und hörte Ali hinter sich herschreien: "Heee, Moruk! Wartest du auf mich?"

Ali kam pitschnass hinterhergerannt und setzte sich neben Peterchen, der gerade dabei war seine Socken anzuziehen. "Ach, ist das nicht erlabend, dieses kühle Nass!" sagte Ali und rubbelte mit dem Handtuch seinen Kopf.

"Was laberst du da?" rief ihm Michael zu, der eine Bank hinten seine Unterhose anzog.
"Du bist hier der Deutsche, sag du es mir", grinste Ali frech.
"Dann red du auch Deutsch", fuhr in Michael an und warf ihm seinen nassen Handtuch zu, doch Ali fing es in der Luft auf.
"Das ist deutsch du homosexuelle Quitscheente eines intergalaktischen Auswurfes" schrie Ali und knallte ihm den nassen Handtuch auf den Rücken.
"Was sagst du da?!" brüllte Michael und packte das Handtuch, als Ali zum zweiten Schlag ausholte und zog ihn an sich heran. Sie blickten sich Auge in Auge.
"Das verstehst DU sowieso nicht", zischte ihn Ali an, und drehte sich unvermittelt um und schrie:
"Heeeey! Moruk! Wartest du nicht auf mich?!!"
"Nicht, wenn du dich streitest, das muss ich mir nicht ansehen", brummte Peterchen und verliess die Umkleidekabine.
Ali lies Michael los, und lief an seinen Platz.
"Ja, du Feigling! renn du nur weg, du kanackige Bockwurst du!" brüllte Michael.
"Ja, laber du Palatschinkengesicht!" rief ihm Ali zu, während er in seine Adidashose schlüpfte. Er packte seinen Turnbeutel, und rannte Peterchen hinterher.
"Hau ab du Dosenfresser" brüllte Michael dem sich entfernenden Ali.

Doch der hörte ihn nicht mehr und lief Peterchen hinterher, der ein Gutes Stück vorgelegt hatte:
"Heee! was wartest du denn nicht! Sonst wartest du doch auch auf mich!" schrie Ali und zog im Laufen sein T-Shirt an.
"Moruk, ward doch mal!"
"Ich hab's eilig“, erwiderte Peterchen und hastete weiter.
"Wieso denn?“
"Die Bücherei macht gleich zu und ich wollte noch was ausleihen“, sagte Peterchen, dem sich nähernden Ali und beschleunigte seine Schritte.
"Was denn?" wollte Ali wissen und versuchte Schritt zu halten.
„Keine Ahnung. Ein Buch halt“
"Ein Buch? --- Mann!!" Ali zog den Turnbeutel hoch, der ihm von der Schulter runtergerutscht war.
"Ja, ein Buch. Jetzt tue nicht so verwundert. Was soll ich denn sonst in einer Bücherei ausleihen? – Turnschuhe!!"
Ali verzog die Mine.
"Da gibt’s ja auch was anderes als Bücher!“
Peterchen guckte ihn schief an:
"Aaach, echt?"
"Jaaah! Da gibt's seid Neuestem auch diese runden, glänzenden Scheiben, die man in schwarze Kasten reinschieben, falls dir das entgangen ist!-"
"Muss ich glatt übersehen haben! -- Und CDs hab ich Zuhause genug!“
Peterchen beschleunigte seine Schritte und ließ seinen Freund hinter sich.
"Ja!? und Bücher haste nicht?!“ rief ihm Ali hinterher. „Diese blöden Staubfänger, die einen anöden!“
"Das tun sie NICHT!" schrie Peterchen.
"DAS TUN SIE DOCH!! - Und reicht dir nicht, was wir in der Schule lesen? -- Was liest du noch freei-willig!!?“
"Das ist nicht dasselbe!“ schrie Peterchen. Seine hellen Ohren glühten. Er beschleunigte seine Schritte
"Lesen ist lesen!“ zischte Ali und sah nicht, wie das Gesicht von seinem Freund sich verfinsterte.

Flinke Füße tippelten auf dem Asphalt. Es schien, als jage ein haselnussbrauner Typ, einem fleischrosa Jungen hinterher. Der Blondschopf hastete voran und Krauskopf versuchte, Schritt zu halten. Plötzlich blieb der Erstere stehen. Mit brodelnden Augen starrte er auf den Boden. Sein Jäger näherte sich an sein Ohr und säuselte:
„Lesen ist lesen.“
Peterchen runzelte die Stirn, sein Gesicht war rot angelaufen, er holte tief Luft und sagte betont:
"Nein! --Ist-es-nicht!"
Ali stellte sich vor Peterchens Nase und aus zusammengekniffenen Augen sah er den aufgewühlten Jungen an, dessen sonst blasse Backen rot glühten:
"Ist-es-doch!" sagte er in einem eindringlichen Ton und richtete sich in seiner vollen Größe auf.
"Nein, ist es nicht!" erwiderte Peterchen, wandt sich von Ali ab und schritt mit wehender Jacke davon.
"Du Ausgeburt einer Schartekenschlampe---!!!" fing Ali auf seine typische Art zu Fluchen an.
"Vollidiot!" rief ihm Peterchen hinein.
"Blödes Arschloch!"
"Bist selber einer!" konterte Peterchen und fügte noch hinzu „Ein Arsch mit Ohren noch dazu!“

"Jetzt reicht’s!" schrie Ali und stürzte sich auf Peterchen. Sie klammerten sich einander, rangen. Jeder versuchte den anderen, auf den Boden zu werfen. Aber es gelang keinem. Sie ließen voneinander. Atmeten schwer. Unvermittelt sprang Ali auf den blonden Jungen, nahm ihn in den Schwitzkasten, und drückte ihn runter. Der Überrumpelte bückte sich unter dessen kräftigen Armen und zappelte. Er versuchte sich aus dessen Umklammerung loszureißen, zerrte. Sie taumelten hin und her.
Da packt Ali Peterchen um die Taillie. Da zuckt Blondschopf auf und windet sich. Peterchen bückt sich, dreht sich, schlängelt unter den Händen von Ali. Griffe hier, Griffe da, Handgemenge. Peterchen windet sich. Peterchen befreit sich. Ali packt ihn erneut. Greift jäh an seine Nierengegend. Peterchen zuckt auf. Peterchen brüllt - brüllt - vor Lachen.
„Haaahahaha!“ prustet er und befreit sich aus Alis Umklammerung.
„Du Arsch!“ ruft er, kämmt sich die Haare mit dem Finger zurecht und grinst Ali an.

„Selber Arsch!“ kontert Ali, stopft sich das Hemd in die Hose und grinst zurück:

#stopfstopfhemd#
#haarzurecht#

Plötzlich streckt Ali jäh die Arme aus. Peterchen zuckt nach hinten:
„NEIN!“
„Kilekile!“ ruf Ali und wedelt mit den Fingern in der Luft herum.
„NEIN!“
Ali kommt pantherhaft geduckt zu ihm.
Peterchen weicht zurück: „Nein!“
#Kilekile!#
„Nein! nicht kitzeln!!“ #GRRR!# #♫pt!# und schneidet ihm eine Grimasse.
Als Gegenzug versetzt Ali ihm einen freundschaftlichen Stoss #puff!# #grins#.
„Idiot!“ ruft Peterchen mit einem breiten Grinsen:
 :-))
„Selber!“, meint Ali und grinst zurück:
 :-)
#kämmkämmzurecht#   #stopfstopf!#
„Sagst du’s mir jetzt, was du für ein Buch ausleihst“, fragte er.
#stopfzurecht#   #handdurchshaar#

„Na gut!“ meinte Peterchen und zur Versöhnung erzählte er von einem Buch, das Emil ihm empfohlen hatte. Er fand es ziemlich lustig und meinte, dass er so was Tolles nicht gelesen hätte, und er, Peterchen, müsse es unbedingt lesen. Außerdem hieß der Held genauso wie er: Peterchen.
Ali wollte wissen, wer das Buch geschrieben hat, doch Peterchen zuckte die Achseln. Er wusste es nicht.
„Wieso das?“ fragte Ali.
„Es war so kompliziert. Gemi, Gümü? Klang wie Gemischtzeug.“
„Und wie willst du es finden?“
„Weiß ich nicht.
---
#groll# # grapsch!# #mmmpft!#
Peterchen brüllte.# HAAAAAAh°!#
#Pofff#  #♫pt!# #zwick#
„Du ARSCH!!“ schrie Ali.
„Selber Arsch!!“ konterte Peterchen.
Ali drehte sich um und war dabei zu gehen. Peterchen legte die Hand auf dessen Schulter und hielt ihn zurück.
 „Ach komm schon“ beschwichtigte er.
Ali schüttelte seine Hand weg.
„Und, warum sollte ich“, schmollte er. „
Weil du mein Freund bist?!“ Peterchen setzte einen Dackelblick auf und schob die Unterlippe vor.
#Dackelblick#
„Mmm-mmh“, druckste Ali.
„Weil da tolle Bücher sind?“
Ali blickte ihn schief an, als wolle er sagen: „Meinst du das überzeugt mich?“
Nach einem kurz eingetretenen Schweigen, sagte Peterchen plötzlich: „Du Ali!“ derart, dass Ali sich zu ihm umdrehte. #wusch!#
„Du, da gibt es ein super neues Computer Game. Das musst du unbedingt spielen!“
Alis Augen strahlten plötzlich. Er starrte Peterchen neugierig an und wartete, dass er den Namen herausrückt, doch als dieser immer noch nicht antwortet:
„Ja, welches Spiel ist es denn?“
Peterchen schüttelt den Kopf.
„Na!?“
„Sag ich nicht“
„Ach komm!“
Er guckt Peterchen eindringlich an. Doch der bleibt beharrlich.
„Kommst du jetzt mit?“
Ali druckst etwas herum.
„Mmh—Na gut!“ meinte er schließlich und beide gingen in Richtung Bücherei.

So sehr Ali auf dem Weg dahin auch drängte, Peterchen weigerte sich zu sagen, welches Spiel es war. Ali musste schon selber suchen. Was er nicht wusste war, dass da kein neues Spiel stand. Peterchen wollte nur, das sein Kumpel mitkommt. Als die beiden bei der Bücherei ankamen, rannte Ali sogleich zu dem CD-Regal, wo die Spiele aufgereiht standen. Peterchen hingegen setzte sich vor einen Computer und überlegte, wie der Autor hieß.