Peterchen blieb da immer noch wie angewurzelt stehen und hörte die Frau im liebevollen Ton sagen: "Ah benim ahmak, keltoş oğlum. Gel bi ananın yanına."
Peterchen verstand immer noch nicht was die Frau von ihm wollte. Gerade eben hatte er auch wie sie gesprochen, aber da er nicht verstand, was er selber redete, schwieg er. Peterchen wollte nichts Falsches sagen. Schliesslich kam die Frau zu ihm und überreichte ihm einen Honigtopf mit den Worten:
"Oğlum, evde tuzumuz kalmadı. Paramız da yok. Al bunu, git çarsıda sat, ve tuz al. Emi, biliyorsun: hiç. Hiç!"
Peterchen verstand nicht, dass er den Honig auf dem Markt verkaufen, und dafür Salz kaufen solle.
Die Frau schaute in sein Gesicht und wiederholte:
"Hiç al, emi oğlum. Hiç, hiç... hiç al, hiç! hiç!..."
Peterchen betrachtete sie mit grossen Augen und hörte sie immer zu das Wort "hiç" sagen.
"Wieso sagt sie andauernd 'Hitsch'?" fragte sich Peterchen. "Entweder ist es etwas ganz Wichtiges, das sie sich merken will, oder sie möchte, dass ich es sage.. -- Wie die mich anguckt. --- Alte Oma was willst du von mir? Soll ich es wiederholen?" So rief Peterchen laut: "Hitsch, hitsch, hitsch!" und sah, wie sich das Gesicht der alten Frau erhellte. Sie sagte:
"Evet benim keleş oğlum, hiç, unutma hiç, emi?" und sie packte ihn am Arm und brachte ihn vor die Tür. Peterchen wiederholte das Wort unaufhörlich und ging auf dem Trampelpfad.
>Irgendwohin wird er mich ja führen< dachte er, während er laut vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch" sagte und weiter grübelte:
>Was das Wort wohl bedeuten mag? Wenn hier nur jemand wäre, der es mir sagen könnte. Ach, wenn Ali nur hier wäre. Tja, er könnte mir auch nicht sagen, was es heisst. Aber, dann wäre es mir nicht so allein.<
"Hitsch, hitsch, hitsch-- " rief er vor sich hin.
>Ich sage es jetzt so lange, bis ich jemanden treffe. Der wird mir dann sagen, was es bedeutet. Hoffentlich verstehe ich ihn dann auch...<
So ging Peterchen auf dem sandigen Weg und murmelte das Wort nichts, das Salz bedeutete, die ganze Strecke, bis in die Stadt hinein, unentwegt vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch...."
Wie der Zufall es so will. Niemand kam ihm des Weges entlang.
Schliesslich erreichte Peterchen ein Fluss.
>Ich gehe mal am Wasser entlang<, dachte er. >Vielleicht treff ich ja da auf jemand< und stolperte den Hang, zum Flussbett runter. Seine Arme wild schwingend, ging Peterchen am Ufer entlang, und rief dabei "Hitsch, hitsch, hitsch..." bis plötzlich ein grosses Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, auf dem Fischer gerade dabei waren, die Netze einzuholen. So lief Peterchen ihnen zu und sagte währenddessen: "Nichts, nichts, nichts...", auch als er stehen blieb und neugierig rüberschaute, wiederholte er dabei unablässig "Nichts, nichts, nichts...".
Als die Fischer das Netz aus dem Wasser zogen, und es leer war, wandten sie sich wütend zu Peterchen und riefen:
"Wegen dir haben wir nichts gefangen. Dein Schandmaul hat uns leere Netze beschert."
Merkwürdigerweise verstand sie Peterchen und antwortete in ihrer Sprache:
"Aber meine Herren, was kann ich denn dafür".
"Natürlich kannst du was dafür", riefen sie erbost zurück.
"Ja und was?"
"Du hättest nicht die ganze Zeit nichts, nichts rufen sollen. Du hast es heraufbeschworen, du mit deinem Schandmaul."
"Ja und was hätte ich sagen sollen..." fragte Peterchen verwundert und hörte die Fischer ihm zurückrufen:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. So wünscht man uns eine guten Fang. Merk dir das!"
Kaum rief Peterchen ihnen zu: "--- Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste!" so zog er wieder weiter; dabei stellte er eine komische Betrachtung bei den anderen an, was für merkwürdige Sitten die hatten und fremde Floskeln die benutzten.
Als er gerade eben dachte >Wenn das hier so Sitte ist, dann benutze ich es eben<, kam er um die Ecke und erblickte einen Leichenzug. Ganz vorne trugen vier Männer, den Sarg auf den Schultern; >wohl Verwandte und Freunde des Verstorbenen<, dachte Peterchen.
Er machte den Weg frei und stellte sich an den Strassenrand. Ein langer Zug von Menschen zog an ihm vorbei. Vorne die Gruppe der Männer, mit weissgehäckelten Kopfbedeckungen und hinter ihnen die Gruppe der Frauen, in Kopftüchern und Schleiern. Aus der Ferne erklang die Stimme des betenden Hodschas. Immer noch zogen sie an ihm vorbei, verhüllt in Schwarz und stumm.
Peterchen wiederholte fleissig den Satz, den er gerade eben gelernt hatte:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste."
Ein Verwandter des Verstorbenen hörte ihn und blieb stehen.
"Was??!!" wutschnaubte er. "Du wünscht uns noch mehr Sterbefälle?" Er nahm sich zusammen, um dem Jungen nicht eine Backpfeife zu verpassen.
Treuherzig fragte Peterchen: "Was sollte ich denn sagen?"
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben!", erwiderte der Empörte.
>Was stimmt denn, mit dem vorigen Satz nicht?<>Aber, wenn er meint, dann sag ich eben diesen Spruch auf.<
Nun prägte sich Peterchen das ein, und setzte seinen Weg fort.
An der nächsten Ecke begegnete er einer toten Katze. Er blieb davor stehen und wiederholte immerzu:
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. "
Ein Junge trat an ihn heran. Peterchen hörte mit dem rezitieren auf und schaute diesen an.
"Was sagst du denn zu der Katze?" fragte der Naseweiss.
"Niiieehiiichts!" antwortete Peterchen und der Bub erwiderte: "Du musst sagen: Pfui, wie das stinkt!"
Peterchen fragte: "Wieso denn?" - "Na, weil man das eben so sagt", erwiderte der Bub knapp und schnauzig.
So merkte Peterchen den Spruch, und fing an, diesen immer zu, vor sich hinzusagen.
Aber auch mit diesem Spruch kam er nicht weit. Gerade war er dabei, an einem Hamam, vorbeizugehen, da traten in diesem Augenblick drei Damen heraus. Sie rochen nach duftenden Ölen, waren in wallende Seidentücher gehüllt, und lachten, während sie miteinander sprachen. Als sie Peterchen bemerkten, verfinsterte sich ihre Mine und sie stürzten sich auf ihn los. Sonnenschirme, Fäuste und Füsse prasselten auf Peterchen nieder mit den Rufen: "Wie kannst du es wagen uns: 'Pfui! wie das stinkt!' zu zurufen. Wir haben gerade gebadet und duften lieblich!"
"Aua, aua, bitte zwickt mich nicht!" rief Peterchen.
Doch sie kniffen ihn, wedelten mit den Regenschirmen und schrieen weiter:
"Du ungehobelter Klotz. Du Sohn eines Esels. Was sind das für Manieren. Sagt man so was zu einer Dame..."
"Erbarmen, gnädige Damen!" rief das Peterchen.
"Was hätte ich denn sagen sollen? Bitte sagt ihr es mir."
Als die Damen sahen, dass Peterchen, doch ganz höflich bat, und doch nicht so ein Lausbub war, wie es den Anschein hatte, belehrten sie ihn wohlwollend:
"Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut! So ziemt es sich. Das ist fein. Das kannst du uns zurufen." sagten sie, und waren höchst zufrieden, als Peterchen es ihnen mit einer Verbeugung sagte. Wohlgestimmt zogen sie weiter.
Mit dem neuen Spruch auf den Lippen ging auch Peterchen seinen Weg, und kam diesmal an zwei Männern vorbei, die sich lauthals stritten. Als sie den Glatzkopf rufen hörten: "Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut!" stritten sie nicht mehr, sondern gingen gemeinsam auf den Jungen los.
"Was soll ich denn sagen?" fragte Peterchen, der nicht mehr weiter wusste. Was er auch sagte. Alles war falsch. Niemanden hatte er recht machen können. Immer zu sagte er das Falsche.
"Du sollst versuchen, uns mit den Worten: Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! zur Ruhe zu bringen", antworteten die beiden Streithähne.
So fing Peterchen an: "Hört auf damit, Brüder, vertragt euch!" zu rufen. Unbeirrt, sagte er den Spruch auf, immer zu, als sei nichts geschehen.
Plötzlich fingen vor Peterchens Füssen, zwei Strassenköter zu balgen an. Peterchen versuchte an ihnen vorbei zu laufen; doch die Hunde kämpften, bellten, liefen hierhin und dorthin, so dass Peterchen an ihnen nicht vorbei konnte.
Dann griff er sich einen knorrigen Astzweig, den er vom Wegrand aufhob und stiebte ihn zwischen die Hunde. "Ich muss sie trennen, sonst komme ich hier gar nicht vorbei", ging es Peterchen durch den Kopf. Er war so bei der Sache, die Hunde zu trennen, dass er gar nicht merkte, wie er dabei die Tölen anschrie:
"Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! Kommt zur Ruhe! Hört auf damit, Brüder...!"
Plötzlich fiel sein Blick auf eine Menschenmenge, die sich am Wegrand angesammelt hatte. Ihr Lachen und Tuscheln, verhiess Peterchen nichts Gutes. Kleine Kinder zeigten mit dem Finger nach ihm. Peterchen sah, wie ein Mann von der Menge nach einem Stein griff und mit einem Geschrei auf die Hunde losging: "Hischt! Hübe, it oglu it! Verzieh dich du Hundesohn! Hiiiischt! Hiiischt! Hübe!". Dann näherte sich der Mann an Peterchen und sagte:
"Siehst du!? So geht das. So vertreibt man Strassenköter! Ruf einfach: Hischt, hischt. Dann hauen sie ab. Nimm, sicherheitshalber noch einen Stein." grinste er und warf den Stein in die Luft und fing es auf.
"Hischt, hischt!" kam es aus der Menge, jemand winkte, und der Mannr rannte zu ihm.
>Wie praktisch!<>Mit hischt, hisch, vertreibst du Hunde und rufst die Menschen zu dir.< Peterchen verliess die Menschenmenge und ging entlang der Hauptstrasse.
>Wohin, der mich heute hinführt?< dachte er.
Und siehe da, der Weg endete beim Markt. Ein Getümmel und Gedränge war das. Da stand nun Ladentisch an Ladentisch und Stand an Stand, die Verkäufer schrieen ihre Waren aus und die Käufer feilschten um jeden Taler. Peterchen wusste anfänglich nicht, wo er zuerst hinsehen solle, alle diese Merkwürdigkeiten berauschten seine Sinne, bis endlich ein stiller Stand seine Aufmerksamkeit auf sich zog, bei dem ein Mann friedlich an seinem Ladentisch sass und ruhig vor sich hin werkelte.
Er nähte behende an einem Stück Leder, der allmählich die Form eines Pantoffels annahm. Peterchen betrachtete ihn eine geraume Zeit, und näherte sich bedächtig dem Mann. Als er vor ihm stand zischte er: "Hischt! hischt!" und winkte mit der Hand.
Der Mann blickte etwas verdutzt auf. Er sah Peterchen fragend in die Augen. Nach einem kurzen Schweigen sagte er: "Hast du noch nie einen Schuster bei der Arbeit gesehen, Bub? Bei euch im Dorf gibt es wohl keine Schuster."
Peterchen schüttelte seinen Glatzkopf .
"Ja, man merkt's. Sonst wüsstest du, was man sagt."
"Und, was sagt man denn?" fragte Peterchen, der ein gelehriger Junge war. Doch er hatte das Gefühl, dass ihn hier alle für dumm hielten. Und das nur weil er nicht wusste, was er hier zu einem Fremden sagen musste, und er hörte den Schuster sagen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden! So feuert man uns bei der Arbeit an."
Peterchen nickte und ging weiter. >Was für ein witziger Spruch< fand er.
"Vielleicht bringst du mir ja mehr Glück", sagte er zu sich und fing an, ihn laut vor sich herzurufen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!" rief er, als er sich durch das Gedränge schob.
Vor ihm tauchte in Mann, der einen Jungen, an den Ohren gepackt hielt und hinter sich herzog. Anscheinend wollte der Junge nicht auf ihn hören. Vielleicht wollte der Bub auch nicht dahin mitlaufen, wo der Mann ihn gerade an den Ohren hinzog.
Da sie ein Weg durch das Getümmel bahnten, ging Peterchen hinter ihnen her, und murmelte vor sich hin immerzu:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
und plötzlich schrie er aus heiterem Himmel ganz laut:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
dann brüllte er:
"Aaauuaaah! Heeey! aaaah..."
"Was sagst du da für dumme Sachen", sagte ein Mann und zog ihm an den Ohren. Vor Peterchen stand ein Junge und rieb grinsend sein rotglühendes Ohr.
"Sooo, dann zieh ich mal kräftig daran, dass sie schön geschmeidig weich werden."
"Aaghrrh! IIIIIhnnnnnnngggghhh!" konnte Peterchen nur sagen. Es tat so weh und er war so überrumpelt, dass er gar nicht wusste, was mit ihm geschah.
"Gefällt dir das, du glatzköpfiger Bursche!"
"Neein!", erwiderte Peterchen und versuchte sich von dessen Griff, loszureissen, doch je mehr er zappelte, desto mehr tat er sich selber Weh. Dessen Hand, klebte an seinem Ohr und riss daran.
"Aaauhaaah!" schrie Peterchen und hörte den Mann noch lauter:
"Was mischt du dich in Angelegenheiten anderer Leute an, he? Was geht dich das an, hä?", griff der Mann Peterchen an und dieser erwiderte kleinlaut.
"Nichts, nichts..."
"Und? was soll der blöde Spruch!?", rief der Mann und schubste Peterchen an seinem Kopf weg, und liess dabei sein Ohr los. Peterchen torkelte nach hinten und sagte sein Ohr reibend:
"Aber ich,...-- was hätte ich denn sagen sollen?..."
"Nichts mein Junge, nichts!", schnauzte ihn der Mann an.
"Genauso viel, wie es dich angeht: Nichts. Einfach nichts! Du weisst doch. Reden ist Silber. Schweigen ist Gold. Auch wenn man dir ein stiefelvoll Golddukaten anbietet. Misch dich nicht in Angelegenheiten, in der du dich nicht auskennst."
"Aber, ich hab mich doch nicht eingemischt", wollte Peterchen sagen und öffnete seinen Mund, doch der Mann schrie ihn an:
"SAG NICHTS! ---Sag nichts, einfach nichts. Nichts! HIC! Hic! hic!..."
Kaum hatte er "hiç" gehört, verstand Peterchen den Mann nicht mehr. Er verstand, kein einziges Wort. Nur das Wort "hiç" dröhnte in seinen Ohren. Er rieb daran und fragte sich: >Wieso ist der Mann so böse! Und wieso ruft er die ganze Zeit: Hitsch. Woher kenn ich das Wort. ---hitsch? hitsch? hitsch? Kommt mir irgendwie bekannt vor.<
„---Mann, ist schon gut, brüll doch nicht so", rief Peterchen und entfernte sich von dem Mann, der andauernd: "Hiç, hiç" rief.
"Hitsch, hitsch, hitsch...", fing auch Peterchen an, das Wort zu wiederholen.
"Das kommt mir bekannt vor. Woher kenn ich es denn? Ich frag mal den Mann da, vielleicht kann er mir ja helfen."
Doch als Peterchen den Vorbeigehenden ansprach und fragte: "Kannst du mir sagen, woher ich 'hic' kenne?" blickte er nur in zwei verwunderte Augen. Peterchen hörte ihn sagen:
"Hiç birsey anlamadim!" Er zuckte dabei die Achseln.
"Ich versteh dich nicht", erwiderte Peterchen und jener antwortete:
"Hiç birsey anlamadim." Dann blickten sie sich eine Weile stumm an und Peterchen sagte:
"Hitsch biaschei aanaamadiim!"
"He, ne anlamadin?" fragte der Mann.
"Hitsch biaschei aanaaamadiim!" sagte Peterchen wieder.
"Allah Allah, dünyada ne acaip insanlar var", sagte der Mann und ging kopfschüttelnd weiter.
Doch Peterchen wiederholte das, was er gerade gehört hatte. "Hitsch biaschei aanaamadiim! Hitsch biaschei aanaamadiim!" Das klang so witzig. Peterchen wunderte sich nur, wieso er plötzlich nichts mehr verstand: "Grad eben hatte ich sie verstanden, und jetzt versteh ich kein einziges Wort mehr", knurrte er, dann fiel ihm Ali ein:
"Hitsch biaschei aanaamadiim! Das sage ich Ali. Da bin ich ja mal gespannt, was er darauf antwortet. Jetzt hab ich einen Satz, den ich ihm sagen kann. Da wird er aber doof gucken und sagen: 'Habe nichts verstanden.' und dann werde ich sagen: 'Siehst du, du weisst auch nicht alles. Schau, ich weiss was, das du nicht verstehst.
Jaaah! >Hitsch biaschei aanaamadiim!<"
Er war sich sicher: "Diesen Satz merk ich mir. Das steht fest."
Plötzlich bemerkte Peterchen den Honigtopf unter seinem Arm.
"Nanu, was mach ich denn damit?" Er hatte ihn völlig vergessen. Dass er deshalb hierher gekommen war, um ihn zu verkaufen, und dafür das "Hiç", also den Salz zu holen, wusste er ja nicht. Und Hunger hatte er ja auch bekommen. Also steckte er den Finger rein.
"Hmm! das schmeckt aber lecker. ---Komisch", sagte Peterchen "ich glaube ich wachse. Das geht aber schnell. Huuuuh! ---Jetzt bin ich grösser als der Riese." Er torkelte, weil es so ungewohnt war. Dann fasste er sich und überlegte. "Wenn ich grösser als ein Riese bin, was bin ich dann?"
Er grübelte eine Weile und fand ein Wort, das er passend fand. "Ein Koloss! Ja, der Koloss von Rhodos war ja riesig. -- Mann, wenn ich weiterwachse, dann bin ich ja grösser als der Berg da hinten." Kaum hatte er das gesagt, schon blieb er mit einem Ruck stehen. Er schoss nicht mehr in die Höhe. Er war nicht in die Länge geschossen, dass er wie ein langer Lulatsch aussah, nein er war gewachsen. Er wuchs in die Höhe und in die Breite. "Ob ich mich in der Pupertät genauso verändere?" überlegte Peterchen, "Vielleicht nicht so schnell, aber bestimmt werde ich grösser als Papa, und der ist ja auch nicht der Kleinste --" Er unterbrach sich.
Dein Magen fing plötzlich an zu knurren.
"Ich habe wohl hunger", stellte er fest.
"Mann, das knurrt aber laut. Sollte ich noch einen Schleck Honig nehmen? Oh, ich wag's lieber nicht. Sonst wachse ich noch mehr, und werde grösser als die Erde. Gott, wie das Knurrt!" Peterchen hielt sein Bauch. "Oh, wie mein Magen knurrt!" sagte er zu sich selber. "Und jetzt heult er auch! Seit wann heult einem der Magen, wenn man Hunger hat?"
Plötzlich musste er gähnen. "Oh, Mann!" sagte Peterchen "Das fehlte gerade noch!", und gähnte.
>Uuuuuooooooaaaaaaaaeeeeehhh!<
Er sperrte seinen Mund auf, wie ein Scheunentor. Grossgenug war er ja, dass da ein Ochsenkarren hätte durchpassen können. Was einer? Zehn hätten da durchgepasst.
Er gähnte und gähnte.
>UUUUUOOOOOOOAAAAAAEEEEEEEEIIIIIIIIIII!!!<, und konnte seinen Mund nicht mehr zuschliessen. Und das Knurren wurde lauter und lauter.
>Grrrr, grrrrr<, >GRRRRRR!<
>Oooooouuuuuuuuuhhh!!< heulte es noch dazu. Doch das Knurren und das Heulen kamen nicht mehr aus seinem Bauch, sondern aus seinem Mund.
Und plötzlich kamen aus Peterchens sperrangelweit aufgerissenem Maul ein Rudel Wölfe rausgerannt.
Peterchen verstand immer noch nicht was die Frau von ihm wollte. Gerade eben hatte er auch wie sie gesprochen, aber da er nicht verstand, was er selber redete, schwieg er. Peterchen wollte nichts Falsches sagen. Schliesslich kam die Frau zu ihm und überreichte ihm einen Honigtopf mit den Worten:
"Oğlum, evde tuzumuz kalmadı. Paramız da yok. Al bunu, git çarsıda sat, ve tuz al. Emi, biliyorsun: hiç. Hiç!"
Peterchen verstand nicht, dass er den Honig auf dem Markt verkaufen, und dafür Salz kaufen solle.
Die Frau schaute in sein Gesicht und wiederholte:
"Hiç al, emi oğlum. Hiç, hiç... hiç al, hiç! hiç!..."
Peterchen betrachtete sie mit grossen Augen und hörte sie immer zu das Wort "hiç" sagen.
"Wieso sagt sie andauernd 'Hitsch'?" fragte sich Peterchen. "Entweder ist es etwas ganz Wichtiges, das sie sich merken will, oder sie möchte, dass ich es sage.. -- Wie die mich anguckt. --- Alte Oma was willst du von mir? Soll ich es wiederholen?" So rief Peterchen laut: "Hitsch, hitsch, hitsch!" und sah, wie sich das Gesicht der alten Frau erhellte. Sie sagte:
"Evet benim keleş oğlum, hiç, unutma hiç, emi?" und sie packte ihn am Arm und brachte ihn vor die Tür. Peterchen wiederholte das Wort unaufhörlich und ging auf dem Trampelpfad.
>Irgendwohin wird er mich ja führen< dachte er, während er laut vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch" sagte und weiter grübelte:
>Was das Wort wohl bedeuten mag? Wenn hier nur jemand wäre, der es mir sagen könnte. Ach, wenn Ali nur hier wäre. Tja, er könnte mir auch nicht sagen, was es heisst. Aber, dann wäre es mir nicht so allein.<
"Hitsch, hitsch, hitsch-- " rief er vor sich hin.
>Ich sage es jetzt so lange, bis ich jemanden treffe. Der wird mir dann sagen, was es bedeutet. Hoffentlich verstehe ich ihn dann auch...<
So ging Peterchen auf dem sandigen Weg und murmelte das Wort nichts, das Salz bedeutete, die ganze Strecke, bis in die Stadt hinein, unentwegt vor sich hin: "Hitsch, hitsch, hitsch...."
Wie der Zufall es so will. Niemand kam ihm des Weges entlang.
Schliesslich erreichte Peterchen ein Fluss.
>Ich gehe mal am Wasser entlang<, dachte er. >Vielleicht treff ich ja da auf jemand< und stolperte den Hang, zum Flussbett runter. Seine Arme wild schwingend, ging Peterchen am Ufer entlang, und rief dabei "Hitsch, hitsch, hitsch..." bis plötzlich ein grosses Schiff seine Aufmerksamkeit an sich zog, auf dem Fischer gerade dabei waren, die Netze einzuholen. So lief Peterchen ihnen zu und sagte währenddessen: "Nichts, nichts, nichts...", auch als er stehen blieb und neugierig rüberschaute, wiederholte er dabei unablässig "Nichts, nichts, nichts...".
Als die Fischer das Netz aus dem Wasser zogen, und es leer war, wandten sie sich wütend zu Peterchen und riefen:
"Wegen dir haben wir nichts gefangen. Dein Schandmaul hat uns leere Netze beschert."
Merkwürdigerweise verstand sie Peterchen und antwortete in ihrer Sprache:
"Aber meine Herren, was kann ich denn dafür".
"Natürlich kannst du was dafür", riefen sie erbost zurück.
"Ja und was?"
"Du hättest nicht die ganze Zeit nichts, nichts rufen sollen. Du hast es heraufbeschworen, du mit deinem Schandmaul."
"Ja und was hätte ich sagen sollen..." fragte Peterchen verwundert und hörte die Fischer ihm zurückrufen:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. So wünscht man uns eine guten Fang. Merk dir das!"
Kaum rief Peterchen ihnen zu: "--- Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste!" so zog er wieder weiter; dabei stellte er eine komische Betrachtung bei den anderen an, was für merkwürdige Sitten die hatten und fremde Floskeln die benutzten.
Als er gerade eben dachte >Wenn das hier so Sitte ist, dann benutze ich es eben<, kam er um die Ecke und erblickte einen Leichenzug. Ganz vorne trugen vier Männer, den Sarg auf den Schultern; >wohl Verwandte und Freunde des Verstorbenen<, dachte Peterchen.
Er machte den Weg frei und stellte sich an den Strassenrand. Ein langer Zug von Menschen zog an ihm vorbei. Vorne die Gruppe der Männer, mit weissgehäckelten Kopfbedeckungen und hinter ihnen die Gruppe der Frauen, in Kopftüchern und Schleiern. Aus der Ferne erklang die Stimme des betenden Hodschas. Immer noch zogen sie an ihm vorbei, verhüllt in Schwarz und stumm.
Peterchen wiederholte fleissig den Satz, den er gerade eben gelernt hatte:
"Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste. Der erste ist schon da, bald kommt auch der nächste."
Ein Verwandter des Verstorbenen hörte ihn und blieb stehen.
"Was??!!" wutschnaubte er. "Du wünscht uns noch mehr Sterbefälle?" Er nahm sich zusammen, um dem Jungen nicht eine Backpfeife zu verpassen.
Treuherzig fragte Peterchen: "Was sollte ich denn sagen?"
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben!", erwiderte der Empörte.
>Was stimmt denn, mit dem vorigen Satz nicht?<>Aber, wenn er meint, dann sag ich eben diesen Spruch auf.<
Nun prägte sich Peterchen das ein, und setzte seinen Weg fort.
An der nächsten Ecke begegnete er einer toten Katze. Er blieb davor stehen und wiederholte immerzu:
"Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. Allah möge sich erbarmen! Die Hinterbliebenen sollen lange leben. "
Ein Junge trat an ihn heran. Peterchen hörte mit dem rezitieren auf und schaute diesen an.
"Was sagst du denn zu der Katze?" fragte der Naseweiss.
"Niiieehiiichts!" antwortete Peterchen und der Bub erwiderte: "Du musst sagen: Pfui, wie das stinkt!"
Peterchen fragte: "Wieso denn?" - "Na, weil man das eben so sagt", erwiderte der Bub knapp und schnauzig.
So merkte Peterchen den Spruch, und fing an, diesen immer zu, vor sich hinzusagen.
Aber auch mit diesem Spruch kam er nicht weit. Gerade war er dabei, an einem Hamam, vorbeizugehen, da traten in diesem Augenblick drei Damen heraus. Sie rochen nach duftenden Ölen, waren in wallende Seidentücher gehüllt, und lachten, während sie miteinander sprachen. Als sie Peterchen bemerkten, verfinsterte sich ihre Mine und sie stürzten sich auf ihn los. Sonnenschirme, Fäuste und Füsse prasselten auf Peterchen nieder mit den Rufen: "Wie kannst du es wagen uns: 'Pfui! wie das stinkt!' zu zurufen. Wir haben gerade gebadet und duften lieblich!"
"Aua, aua, bitte zwickt mich nicht!" rief Peterchen.
Doch sie kniffen ihn, wedelten mit den Regenschirmen und schrieen weiter:
"Du ungehobelter Klotz. Du Sohn eines Esels. Was sind das für Manieren. Sagt man so was zu einer Dame..."
"Erbarmen, gnädige Damen!" rief das Peterchen.
"Was hätte ich denn sagen sollen? Bitte sagt ihr es mir."
Als die Damen sahen, dass Peterchen, doch ganz höflich bat, und doch nicht so ein Lausbub war, wie es den Anschein hatte, belehrten sie ihn wohlwollend:
"Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut! So ziemt es sich. Das ist fein. Das kannst du uns zurufen." sagten sie, und waren höchst zufrieden, als Peterchen es ihnen mit einer Verbeugung sagte. Wohlgestimmt zogen sie weiter.
Mit dem neuen Spruch auf den Lippen ging auch Peterchen seinen Weg, und kam diesmal an zwei Männern vorbei, die sich lauthals stritten. Als sie den Glatzkopf rufen hörten: "Oh, wie schön! Wie das mein Herz erfreut!" stritten sie nicht mehr, sondern gingen gemeinsam auf den Jungen los.
"Was soll ich denn sagen?" fragte Peterchen, der nicht mehr weiter wusste. Was er auch sagte. Alles war falsch. Niemanden hatte er recht machen können. Immer zu sagte er das Falsche.
"Du sollst versuchen, uns mit den Worten: Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! zur Ruhe zu bringen", antworteten die beiden Streithähne.
So fing Peterchen an: "Hört auf damit, Brüder, vertragt euch!" zu rufen. Unbeirrt, sagte er den Spruch auf, immer zu, als sei nichts geschehen.
Plötzlich fingen vor Peterchens Füssen, zwei Strassenköter zu balgen an. Peterchen versuchte an ihnen vorbei zu laufen; doch die Hunde kämpften, bellten, liefen hierhin und dorthin, so dass Peterchen an ihnen nicht vorbei konnte.
Dann griff er sich einen knorrigen Astzweig, den er vom Wegrand aufhob und stiebte ihn zwischen die Hunde. "Ich muss sie trennen, sonst komme ich hier gar nicht vorbei", ging es Peterchen durch den Kopf. Er war so bei der Sache, die Hunde zu trennen, dass er gar nicht merkte, wie er dabei die Tölen anschrie:
"Hört auf damit, Brüder, vertragt euch! Kommt zur Ruhe! Hört auf damit, Brüder...!"
Plötzlich fiel sein Blick auf eine Menschenmenge, die sich am Wegrand angesammelt hatte. Ihr Lachen und Tuscheln, verhiess Peterchen nichts Gutes. Kleine Kinder zeigten mit dem Finger nach ihm. Peterchen sah, wie ein Mann von der Menge nach einem Stein griff und mit einem Geschrei auf die Hunde losging: "Hischt! Hübe, it oglu it! Verzieh dich du Hundesohn! Hiiiischt! Hiiischt! Hübe!". Dann näherte sich der Mann an Peterchen und sagte:
"Siehst du!? So geht das. So vertreibt man Strassenköter! Ruf einfach: Hischt, hischt. Dann hauen sie ab. Nimm, sicherheitshalber noch einen Stein." grinste er und warf den Stein in die Luft und fing es auf.
"Hischt, hischt!" kam es aus der Menge, jemand winkte, und der Mannr rannte zu ihm.
>Wie praktisch!<>Mit hischt, hisch, vertreibst du Hunde und rufst die Menschen zu dir.< Peterchen verliess die Menschenmenge und ging entlang der Hauptstrasse.
>Wohin, der mich heute hinführt?< dachte er.
Und siehe da, der Weg endete beim Markt. Ein Getümmel und Gedränge war das. Da stand nun Ladentisch an Ladentisch und Stand an Stand, die Verkäufer schrieen ihre Waren aus und die Käufer feilschten um jeden Taler. Peterchen wusste anfänglich nicht, wo er zuerst hinsehen solle, alle diese Merkwürdigkeiten berauschten seine Sinne, bis endlich ein stiller Stand seine Aufmerksamkeit auf sich zog, bei dem ein Mann friedlich an seinem Ladentisch sass und ruhig vor sich hin werkelte.
Er nähte behende an einem Stück Leder, der allmählich die Form eines Pantoffels annahm. Peterchen betrachtete ihn eine geraume Zeit, und näherte sich bedächtig dem Mann. Als er vor ihm stand zischte er: "Hischt! hischt!" und winkte mit der Hand.
Der Mann blickte etwas verdutzt auf. Er sah Peterchen fragend in die Augen. Nach einem kurzen Schweigen sagte er: "Hast du noch nie einen Schuster bei der Arbeit gesehen, Bub? Bei euch im Dorf gibt es wohl keine Schuster."
Peterchen schüttelte seinen Glatzkopf .
"Ja, man merkt's. Sonst wüsstest du, was man sagt."
"Und, was sagt man denn?" fragte Peterchen, der ein gelehriger Junge war. Doch er hatte das Gefühl, dass ihn hier alle für dumm hielten. Und das nur weil er nicht wusste, was er hier zu einem Fremden sagen musste, und er hörte den Schuster sagen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden! So feuert man uns bei der Arbeit an."
Peterchen nickte und ging weiter. >Was für ein witziger Spruch< fand er.
"Vielleicht bringst du mir ja mehr Glück", sagte er zu sich und fing an, ihn laut vor sich herzurufen:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!" rief er, als er sich durch das Gedränge schob.
Vor ihm tauchte in Mann, der einen Jungen, an den Ohren gepackt hielt und hinter sich herzog. Anscheinend wollte der Junge nicht auf ihn hören. Vielleicht wollte der Bub auch nicht dahin mitlaufen, wo der Mann ihn gerade an den Ohren hinzog.
Da sie ein Weg durch das Getümmel bahnten, ging Peterchen hinter ihnen her, und murmelte vor sich hin immerzu:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
und plötzlich schrie er aus heiterem Himmel ganz laut:
"Zieht kräftig daran, damit sie weich und geschmeidig werden!"
dann brüllte er:
"Aaauuaaah! Heeey! aaaah..."
"Was sagst du da für dumme Sachen", sagte ein Mann und zog ihm an den Ohren. Vor Peterchen stand ein Junge und rieb grinsend sein rotglühendes Ohr.
"Sooo, dann zieh ich mal kräftig daran, dass sie schön geschmeidig weich werden."
"Aaghrrh! IIIIIhnnnnnnngggghhh!" konnte Peterchen nur sagen. Es tat so weh und er war so überrumpelt, dass er gar nicht wusste, was mit ihm geschah.
"Gefällt dir das, du glatzköpfiger Bursche!"
"Neein!", erwiderte Peterchen und versuchte sich von dessen Griff, loszureissen, doch je mehr er zappelte, desto mehr tat er sich selber Weh. Dessen Hand, klebte an seinem Ohr und riss daran.
"Aaauhaaah!" schrie Peterchen und hörte den Mann noch lauter:
"Was mischt du dich in Angelegenheiten anderer Leute an, he? Was geht dich das an, hä?", griff der Mann Peterchen an und dieser erwiderte kleinlaut.
"Nichts, nichts..."
"Und? was soll der blöde Spruch!?", rief der Mann und schubste Peterchen an seinem Kopf weg, und liess dabei sein Ohr los. Peterchen torkelte nach hinten und sagte sein Ohr reibend:
"Aber ich,...-- was hätte ich denn sagen sollen?..."
"Nichts mein Junge, nichts!", schnauzte ihn der Mann an.
"Genauso viel, wie es dich angeht: Nichts. Einfach nichts! Du weisst doch. Reden ist Silber. Schweigen ist Gold. Auch wenn man dir ein stiefelvoll Golddukaten anbietet. Misch dich nicht in Angelegenheiten, in der du dich nicht auskennst."
"Aber, ich hab mich doch nicht eingemischt", wollte Peterchen sagen und öffnete seinen Mund, doch der Mann schrie ihn an:
"SAG NICHTS! ---Sag nichts, einfach nichts. Nichts! HIC! Hic! hic!..."
Kaum hatte er "hiç" gehört, verstand Peterchen den Mann nicht mehr. Er verstand, kein einziges Wort. Nur das Wort "hiç" dröhnte in seinen Ohren. Er rieb daran und fragte sich: >Wieso ist der Mann so böse! Und wieso ruft er die ganze Zeit: Hitsch. Woher kenn ich das Wort. ---hitsch? hitsch? hitsch? Kommt mir irgendwie bekannt vor.<
„---Mann, ist schon gut, brüll doch nicht so", rief Peterchen und entfernte sich von dem Mann, der andauernd: "Hiç, hiç" rief.
"Hitsch, hitsch, hitsch...", fing auch Peterchen an, das Wort zu wiederholen.
"Das kommt mir bekannt vor. Woher kenn ich es denn? Ich frag mal den Mann da, vielleicht kann er mir ja helfen."
Doch als Peterchen den Vorbeigehenden ansprach und fragte: "Kannst du mir sagen, woher ich 'hic' kenne?" blickte er nur in zwei verwunderte Augen. Peterchen hörte ihn sagen:
"Hiç birsey anlamadim!" Er zuckte dabei die Achseln.
"Ich versteh dich nicht", erwiderte Peterchen und jener antwortete:
"Hiç birsey anlamadim." Dann blickten sie sich eine Weile stumm an und Peterchen sagte:
"Hitsch biaschei aanaamadiim!"
"He, ne anlamadin?" fragte der Mann.
"Hitsch biaschei aanaaamadiim!" sagte Peterchen wieder.
"Allah Allah, dünyada ne acaip insanlar var", sagte der Mann und ging kopfschüttelnd weiter.
Doch Peterchen wiederholte das, was er gerade gehört hatte. "Hitsch biaschei aanaamadiim! Hitsch biaschei aanaamadiim!" Das klang so witzig. Peterchen wunderte sich nur, wieso er plötzlich nichts mehr verstand: "Grad eben hatte ich sie verstanden, und jetzt versteh ich kein einziges Wort mehr", knurrte er, dann fiel ihm Ali ein:
"Hitsch biaschei aanaamadiim! Das sage ich Ali. Da bin ich ja mal gespannt, was er darauf antwortet. Jetzt hab ich einen Satz, den ich ihm sagen kann. Da wird er aber doof gucken und sagen: 'Habe nichts verstanden.' und dann werde ich sagen: 'Siehst du, du weisst auch nicht alles. Schau, ich weiss was, das du nicht verstehst.
Jaaah! >Hitsch biaschei aanaamadiim!<"
Er war sich sicher: "Diesen Satz merk ich mir. Das steht fest."
Plötzlich bemerkte Peterchen den Honigtopf unter seinem Arm.
"Nanu, was mach ich denn damit?" Er hatte ihn völlig vergessen. Dass er deshalb hierher gekommen war, um ihn zu verkaufen, und dafür das "Hiç", also den Salz zu holen, wusste er ja nicht. Und Hunger hatte er ja auch bekommen. Also steckte er den Finger rein.
"Hmm! das schmeckt aber lecker. ---Komisch", sagte Peterchen "ich glaube ich wachse. Das geht aber schnell. Huuuuh! ---Jetzt bin ich grösser als der Riese." Er torkelte, weil es so ungewohnt war. Dann fasste er sich und überlegte. "Wenn ich grösser als ein Riese bin, was bin ich dann?"
Er grübelte eine Weile und fand ein Wort, das er passend fand. "Ein Koloss! Ja, der Koloss von Rhodos war ja riesig. -- Mann, wenn ich weiterwachse, dann bin ich ja grösser als der Berg da hinten." Kaum hatte er das gesagt, schon blieb er mit einem Ruck stehen. Er schoss nicht mehr in die Höhe. Er war nicht in die Länge geschossen, dass er wie ein langer Lulatsch aussah, nein er war gewachsen. Er wuchs in die Höhe und in die Breite. "Ob ich mich in der Pupertät genauso verändere?" überlegte Peterchen, "Vielleicht nicht so schnell, aber bestimmt werde ich grösser als Papa, und der ist ja auch nicht der Kleinste --" Er unterbrach sich.
Dein Magen fing plötzlich an zu knurren.
"Ich habe wohl hunger", stellte er fest.
"Mann, das knurrt aber laut. Sollte ich noch einen Schleck Honig nehmen? Oh, ich wag's lieber nicht. Sonst wachse ich noch mehr, und werde grösser als die Erde. Gott, wie das Knurrt!" Peterchen hielt sein Bauch. "Oh, wie mein Magen knurrt!" sagte er zu sich selber. "Und jetzt heult er auch! Seit wann heult einem der Magen, wenn man Hunger hat?"
Plötzlich musste er gähnen. "Oh, Mann!" sagte Peterchen "Das fehlte gerade noch!", und gähnte.
>Uuuuuooooooaaaaaaaaeeeeehhh!<
Er sperrte seinen Mund auf, wie ein Scheunentor. Grossgenug war er ja, dass da ein Ochsenkarren hätte durchpassen können. Was einer? Zehn hätten da durchgepasst.
Er gähnte und gähnte.
>UUUUUOOOOOOOAAAAAAEEEEEEEEIIIIIIIIIII!!!<, und konnte seinen Mund nicht mehr zuschliessen. Und das Knurren wurde lauter und lauter.
>Grrrr, grrrrr<, >GRRRRRR!<
>Oooooouuuuuuuuuhhh!!< heulte es noch dazu. Doch das Knurren und das Heulen kamen nicht mehr aus seinem Bauch, sondern aus seinem Mund.
Und plötzlich kamen aus Peterchens sperrangelweit aufgerissenem Maul ein Rudel Wölfe rausgerannt.
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